Prof. Dr. Claus D. Kernig
Kulturrevolution Kapitalismus
Die Industrialisierung brachte populationsbiologische Folgen mit sich, die sich in den klassischen Industrienationen ökonomisch mit wachsendem Wohlstand und Festigung rechtsstaatlich demokratischer Verhältnisse paarten. In den nicht oder noch-nicht industrialisierten, aber zunehmend mehr, jedoch ungleichgewichtig in den weltwirtschaftlichen Verkehr neu einbezogenen Nationen sind die Folgen ungleich ungünstiger. Die durch Hygiene- und Medizinexport hervorgerufenen populationsbiologischen Konsequenzen stimulieren dort eine Bevölkerungsexplosion, bei der Verjüngung mit weitreichender Armut und Verslumung einhergeht, von der sich machtvolle, sich einseitig bereichernde politische und fundamentalistisch religiöse Eliten ausnehmen. Letztere schüren die Illusion, man könne westliche Fortschritte in Wissenschaft, Technik und Wirtschaft übernehmen, ohne die althergebrachten Traditionen in Moral, Religion und Herrschaftsverhältnissen aufgeben zu müssen. Das widerspricht der westlichen Erfahrung, dass Kapitalismus unabwendbar mit Kulturwandel identisch ist. Die sich aus den widerstreitenden Einstellungen ergebenden Konflikte entladen sich in vor allem in der Begegnung mit islamischen Prägungen in gewalttätigen Konflikten mit terroristischer Zuspitzung. Die hier zu vermittelnde kritische Selbst- und Fremdeinschätzung schärft das Urteilsvermögen für laufende politische und ökonomische Prozesse.