Prof. Dr. Claus D. Kernig

Entwicklungshilfe als Entwicklungshemmnis

Unbedachte Folgen wohlbedachter Projekte

Die Entwicklungspolitik wurde nie aus einem Guss heraus entworfen und resultiert heute fatalerweise in einer Unvernunft als der Synthese von viel projetbezogenem Verstandesaufwand. Sie entfaltete sich aus wohlmeinenden Absichten quasi im Wildwuchs und gehorchte lange Zeit den Machtambitionen und Konkurrenzkalkülen der Supermächte im kalten Krieg. Die Verquickung eklatanten Theoriemangels mit ideologischer Überfrachtung und interessenorientierter und handelsblockierender Einflussnahme führte dabei zu Militarisierung und politischer Desorientierung uns Armut vieler Entwicklungsländer, nachfolgenden Militärputschen und sie stimulierte die skrupellose Korruption herrschender Eliten. Technisch akkurat abgewickelte Entwicklungsprojekte zeigten sich - prononciert unter McNamara - blind gegenüber kulturellen, religiösen und mentalen Prägungen der betroffenen Bevölkerungen. Im Schatten der Politik des Weltausplünderungskartells OPEC kam es durch die Weltbank zu Schuldenkrisen. Heute streiten lebensrettende Gesundheitsprogramme gegen lebensgefährdende Militärassistenzen und Waffenhandel, Menschenrechtsbestrebungen und sexuelle Aufklärungskampagnen gegen traditionsbestimmte Rollenverständnisse, Demokratiebestrebungen gegen feudale Herrschaftscliquen. Die Zeit scheint reif, Ansätze für ein Umdenken zu entwickeln.

 


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